Weltfrauentag im Schätzchen: Weibsbilder setzen ein Zeichen!


Es gibt unzählige Positionen aus denen heraus "Frau sein" beleuchtet werden kann. Wir sind ein Modeunternehmen und von daher sind Themen aus dieser Welt Ausgangspunkt für unsere Überlegungen.

 

Der Bilderbogen "Weibsbilder" - zu sehen im Schätzchen - ist ein Resultat aus einer unternehmerischen Entscheidung, die wir vor knapp zwei Jahren getroffen haben: Die Mode muss sich dem Model anpassen. Was wir an Vintagemode zeigen, unterstreicht die Persönlichkeit der Trägerin und nicht umgekehrt. Wir haben damals begonnen, Frauen, die uns im täglichen Leben begegnen, zu fotografieren. Einige von ihnen haben sich später bereit erklärt, für unseren Onlineladen "Modell zu stehen". Die gezeigten "Weibsbilder" sind ein Querschnitt dieser Arbeit und zeigen deutlich, dass Individualität und Persönlichkeit weit schöner sind, als jeder photogeshopte Perfektionismus.

 

Individualität ist die Überleitung zu einem weiteren Thema dieses Abends. Unter der Überschrift "Zeichen setzen" haben wir unser Upcycling/Reuse-Projekt vorgestellt. Dahinter verbirgt sich ein heißes Thema, dem momentan in der Modewelt viel Platz eingeräumt wird: dem feministischen Statementshirt, dem zahlreiche Fotostrecken gewidmet werden, das zum "must-have" avanciert, das dazu benutzt wird um eine Botschaft zu übermitteln und das ein ganz neues Kundensegment anspricht, was wiederum für Umsatz sorgt und Image bildet. Seit einigen Jahren arbeiten DesignerInnen an Themen wie Dekonstruktion oder Unisex. Selten zuvor wurde in er Modewelt derart intensiv an "Rollenbildern" geschraubt (natürlich gab es da Vorreiterinnen wie Vivian Westwood, die seit den 70ern daran arbeitet). Es scheint so, als könne die "Fashion" und sogar ihre konservativsten Vertreter, nicht mehr an diesem Thema vorbei. Die Bildsprache verändert sich, wir sehen Männer in Frauenkleidung, Frauen in Männerkleidung. Immer stärker weg von der Betonung des Körpers, hin zu einer gestalteten, selbstbestimmten Silhouette. Welchen Einfluss diese Bilder auf unsere Gesellschaft haben werden, bleibt abzuwarten, wenngleich wir davon ausgehen können, dass sich die Wahrnehmung der Konsumenten verändern wird.

 

Friede, Freude, Eierkuchen? Weit gefehlt! Die komplexe Sprache der Mode ist nach wie vor durchsetzt mit Sexismus, Unterdrückung und frauenfeindlichen Parolen. Die jüngsten Entwicklungen deuten ein Umdenken an. Gewonnen ist dieser "Krieg der Sprache" jedoch noch lange nicht. Nämlich so lange nicht, bis die Semiotik von Mode den KonsumentInnen auch bewusst wird! Die genannten Statementshirts waren für uns Anlass, selbst Statements zu verfassen, die sich ebenfalls auf T-Shirts wiederfinden. Auf gebrauchten, alten Shirts, für die heute keine Fabriksarbeiterin in Bangladesh unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften muss, damit frau sich das billig produzierte Shirt auch leisten kann. Schließlich heißt Frau sein auch hierzulande, trotz Arbeit von Armut betroffen zu sein... Hinzu kommt, dass wir das "alte" Shirt würdigen wollen. Schließlich stecken in ihm Ressourcen wie Arbeitskraft, Rohstoffe wie Baumwolle und Wasser. Hinzu kommt, dass wir dem "Alter" wieder Platz geben wollen. Besonders Frauen sind dem unsichtbar werden im Alter unterworfen. Anders als bei Männern wird das Altern bei Frauen an "unattraktiv" und "unproduktiv" gekoppelt. Während die "alternden" Männer mit 50 noch einmal Karriere machen, verschwinden Frauen in der Versenkung.  70-jährige Politiker oder Vorstandsdirektor sind keine Einzelfälle, Frauen in diesem Alter sind jedoch kaum in der Öffentlichkeit wahrzunehmen. Verschwinden sie von der Bildfläche, weil Frauen nach wie vor auf ihre Optik reduziert werden? .

 

Der gestrige Abend war für das Schätzchen ein großer Erfolg. Der Männeranteil lag bei 40 %! Und jedes Alter war vertreten. Wir bedanken uns für Euer Interesse, für die anregenden Gespräche, die weit über die Modewelt hinaus gingen und dafür, dass ihr mit uns diesen Weltfrauentag gefeiert habt.

 

 


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